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Halbjahresbericht unserer Weltwärts Freiwilligen
Zweiter Quartalsbericht von Sarah Petschow
Mae Sot, Thailand, Januar 2012
Die Hälfte meines Aufenthaltes ist nun rum. Wahnsinn!
Doch auch wenn ich es nun schreibe, scheint es unwirklich und ich denke ich habe es noch nicht ganz realisiert. Die Zeit die ich bisher in Mae Sot verbringen durfte, ist einfach wie im Fluge vergangen und doch scheint es fast eine Ewigkeit her zu sein, dass ich den ersten Schritt aus dem Flughafen getan habe und von der Bangkoker Luft fast erschlagen wurde.
Das liegt vermutlich daran, dass in diesen 6 Monaten so unglaublich viel passiert ist. Es fällt schwer, all diese neuen Eindrücke, Ereignisse und Erfahrungen mit dieser relativ kurzen Zeitspanne in Einklang zu bringen.
Von ein paar dieser Ereignisse möchte ich gerne berichten, um einen kleinen Einblick in mein Leben hier in Mae Sot zu ermöglichen.
Tätigkeiten
Ende Oktober habe ich das Unterrichten an der New Day Schule aufgegeben, da eine andere Freiwillige dort nun vier mal wöchentlich unterrichtet und es ist ganz wie man sagt: “Zu viele Köche verderben den Brei”. Denn obwohl es aufregend war an dieser Schule zu unterrichten, so ist es wohl trotzdem das Beste sich nur auf eine zu konzentrieren, um richtig auf die Schüler und deren Bedürfnisse einzugehen.
Wie gehabt unterrichte ich drei mal wöchentlich an der P'Yan Daw Schule. In den letzten 3 Monaten, seit meinem letzten Bericht, sah ich mich selber hier mit einigen Probleme konfrontiert. Viele liegen meinen eigenen Zweifeln zugrunde.
Anfang Oktober wurden in den Schulen Prüfungen geschrieben und zum Teil sind diese nicht besonders gut ausgefallen.
Es ist frustrierend festzustellen, dass die Schüler bei Dingen Probleme haben, die im Unterricht intensiv durchgenommen worden sind.
Fragen wie: “Ist das was ich tue wirklich eine nachhaltige Hilfe für meine Schüler” oder “ Kann ich das Leben meiner Schüler wirklich positiv beeinflussen durch das was ich tue?” kommen einem da in den Kopf.
Es ist nicht so, dass ich mit der Einstellung hier her gekommen bin, dass ich die Welt durch das verändern kann, was ich hier tue.
Und doch hat man Erwartungen und Hoffnungen entwickelt die im Laufe der Zeit durch die Realität nicht bekräftigt, sondern vielmehr in Frage gestellt wurden.
Weil ich nun schon länger an der P'Yan Daw unterrichte, habe ich die Schüler in mein Herz geschlossen und es ist schmerzhaft sich vorzustellen, dass sie niemals eine bessere Zukunft haben werden, dass sie vermutlich niemals die Chance erhalten werden Arzt oder Anwalt zu werden.
Doch da ich nicht in der Position bin diese Dinge zu verändern, bleibt mir nichts anderes übrig, als mich auf das zu beschränken, was in meiner Macht steht.
Doch es sind nicht die negativen Dinge die meine Zeit hier dominieren. Immer wieder gibt es auch schöne Momente und Erfolgserlebnisse z.B als mich einer meine Schüler gefragt hat, ob ich Bauchschmerzen habe (ich habe die Krankheiten ein paar Monate zuvor unterrichtet).
Scheint nur eine Kleinigkeit zu sein? Mag sein und doch ist es schön zu sehen, dass das was man ihnen beibringt auch im Alltag Verwendung findet und sie ihre Scheu überwinden können, um es auch tatsächlich anzuwenden.
Allgemein ist es mir wichtiger das die Schüler sich trauen Englisch zu reden, als das sie einen schriftlichen Test mit Bestnote bestehen.
Denn es ist das Sprechen welches ihnen die Chance bietet mit anderen Menschen zu kommunizieren, ihren Horizont zu erweitern und dazuzulernen.
Neben der Schule helfe ich bei anstehenden Projekten wie z.B dem Fellowship oder den Roadshows.
Die Roadshows waren ein Projekt des ROY- Teams (Rays of Youth), die von Helfen ohne Grenzen Thailand unterstützt werden.
Hier sind Schüler, von verschiedenen Schulen, an unterschiedlichen Plätzen aufgetreten und haben Tänze, Gesang und Theaterstücke vorgeführt.
Das Hauptziel dieser Shows war die Aufklärungsarbeit.
Erreicht wurde dies mitunter durch die Theaterstücke, in denen Probleme wie Verkehrsregeln, Kinderrechte und Menschenhandel thematisiert wurden.
Auch wenn es ab und zu technische Probleme gab und die Choreografie nicht bei allen immer zu 100 % saß, war es doch beeindruckend zu sehen, wie diese schüchternen Schüler auf die Bühne getreten sind, um vor großem Publikum aufzutreten.
Es war ein großartiges Projekt welches nicht nur die Menschen für viele Probleme sensibilisiert hat, sondern auch ungeahntes Potential in den Schülern zum Vorschein brachte.
Ein anderes großes Projekt bei dem ich ausgeholfen habe, war der Fellowship. Dies kommt einem Sportfest gleich, nur das hier Schüler aus allen 8 Schulen teilgenommen haben, die von Helfen ohne Grenzen Thailand unterstützt werden.
Für die Schüler war es eine großartige Gelegenheit nicht nur ihre sportlichen Fertigkeiten zu beweisen, sondern auch um Freundschaften mit Schülern anderer Schulen zu schließen, da die Teams nicht nach Schulen aufgeteilt wurden.
Auch für die Mitarbeiter von Helfen ohne Grenzen Thailand war es eine Gelegenheit, mit den Leuten aus den verschiedenen Bereichen der Organisation (Küche, Nähwerkstatt, Büro), mit denen man vielleicht sonst eher nicht so häufig in Kontakt kommt, zusammenzuarbeiten und sich näher kennen zu lernen.
Über 2 Tage hinweg wurden Volleyball, Fußball, Caneball gespielt und noch viele weitere sportliche Wettkämpfe wie z.B Weitsprung, Hochsprung und Sprint ausgetragen.
Den Abschluss dieser Veranstaltung bildeten ein Singwettstreit und eine Debatte, in der die Schulen gegeneinander antraten.
Es war eine Freude dabei zuzusehen wie viel Spaß die Kinder an dieser Veranstaltung hatten.
Sie haben neue Freunde gefunden und wertvolle Erinnerungen gemacht, so wie ich auch.
Freizeit
Eine weitere tolle Erfahrung war mein zweiter Trip in den Norden Thailands.
Diesen haben wir mit unserem Visa- Run verbunden( alle 3 Monate muss das Visum verlängert werden- dafür muss die thailändische Grenze überschritten werden).
In Mae Sai haben wir diese Gelegenheit genutzt, um auch gleich die burmesische Grenzstadt Tachilek zu besichtigen.
Viele Reize hatte diese nicht zu bieten: Aufdringliche Verkäufer und Taxifahrer haben es zu einem recht anstrengenden Ausflug gemacht.
Desweiteren haben wir uns die Städte Pai und Mae Hong Song angeschaut.
Und auch wenn die Natur und die Umgebung wunderschön sind, so war es doch gewöhnungsbedürftig, sich in diesen touristisch erschlossenen Gebieten aufzuhalten.
Im Gegensatz zu den meisten Reisenden habe ich Thailand von einer Seite kennen gelernt, die für gewöhnlich dem normalen Touristen verschlossen bleibt.
Doch ich bin froh darüber, dass ich dieses Land in all seinen Facetten erleben kann.
Der touristische Sektor macht Thailand ebenso so aus, wie das eher abgeschiedene Leben, welches ich hier erfahre.
Ende Dezember haben dann auch hier die Weihnachtsglocken geläutet.
Auch wenn ich nie eine besondere Vorliebe für dieses Fest gehegt habe, war es dennoch schön zu sehen, wie die Menschen hier voller Inbrunst dieses zelebriert haben.
Auch in meiner Schule wurde viel Energie und Zeit darauf verwendet alles für das groß angelegte Weihnachtsfest vorzubereiten: Lieder und Tänze wurden einstudiert, die Schule geschmückt und Essen für viele Hundert Personen vorbereitet und gekocht.
Am Tage wurden sportliche Wettkämpfe mit anderen Schulen ausgetragen und am Abend konnte man dann jene Stücke vorführen, die man zuvor lange eingeübt hatte.
Auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass sie das eine oder andere Lied gestrichen hätten( ich habe noch nie so viele Menschen kennen gelernt, die mit so viel Leidenschaft und Ausdauer Karaoke singen können) war es doch in allem ein Weihnachtsfest, welches ich nie vergessen werde und dessen Erinnerung mich immer wieder zum Schmunzeln bringen wird.
Fazit
Alltag ist eingekehrt in mein Leben in Mae Sot und auch wenn das nicht besonders positiv klingt, so ist es doch für mein Empfinden eine tolle Entwicklung.
Es heißt, dass ich mich hier nicht mehr als Fremde bewege, sondern wie jemand, der diesen Ort als Heim erfährt.
Auch wenn die Euphorie des Anfangs nicht mehr gegeben ist, da nicht alles neu und ungewöhnlich erscheint, so hat es doch seinen ganz eigenen Reiz, sich in der Fremde heimisch zu fühlen.
In den letzten 6 Monaten habe ich viele einzigartige Menschen kennen gelernt und noch mehr unersetzbare Erinnerungen und Erfahrungen gesammelt.
Ich bin noch immer froh darüber, den Schritt ins Ausland gewagt zu haben und werde es in den nächsten 6 Monaten hoffentlich auch bleiben.

