Andere Schicksale
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... Ratlos, mit hilfeheischendem Blick liegt eine Mutter neben ihrem Kind. Ein Schlauch steckt in seiner Nase, es muss künstlich ernährt werden. Die Geburt hatte eine traditionelle Geburtshelferin eingeleitet. Sie war kompliziert, das Kind steckte fest; schließlich gab die TBA ratlos auf. Lange, wertvolle Zeit verstrich, bis die Mutter endlich in die Klinik kam. Das Kind konnte gerettet werden. Es atmet, bewegt sich, aber es reagiert nicht. Sein Gehirn ist durch Sauerstoffmangel geschädigt, wahrscheinlich irreparabel geschädigt. Eine andere Mutter spricht mit ihr, scheint sie zu trösten, ihr etwas von ihrem Leid zu nehmen, sie aufzumuntern. Ich verstehe nicht, was sie sagt. Ich sehe nur ihr warmes, sanftes Lächeln. Sie trägt selber ein schweres Schicksal. Sie hat AIDS...
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... Letzter Ausweg ist die Abtreibung bei einer der „traditionellen Geburtshelferinnen", meistens Analphabetinnen, an die sich Frauen in ihren Notsituationen wenden. Zuerst geben sie ihnen irgendwelche „magischen" Mittel, wenn die nichts nützen, dann beginnen diese "Hexerinnen" mit schmerzhaften Massagen der Gebärmutter und schließlich werden alle möglichen und unmöglichen Gegenstände in den Gebärmutterhals eingeführt, meistens in irgendwelche Lösungen getränkte Wattestäbchen, aber auch Holzstäbe und Zweige. Die werden dann drinnen belassen, beginnen zu verfaulen und provozieren dadurch und wegen der insgesamt fehlenden Hygiene furchtbare und lebensbedrohliche Infektionen....
... Am nackten Fußboden lag er, neben seinen Exkrementen, verzweifelt, nahe am Aufgeben, nahe dem Wahnsinn. Nur seine jahrelange Meditationserfahrung half ihm, die Demütigungen, die Schläge, die Foltern zu erdulden. Die einzige Lichtquelle war ein münzgroßes Loch an der Decke, so konnte er Schatten wahrnehmen, nicht mehr. Alle zwei Stunden riefen ihn seine Peiniger zum Rapport, raubten ihm den Schlaf, schwächten ihn. Nach seiner Entlassung floh er nach Thailand. Kurz vor der Grenze geriet er in einen Hinterhalt. Rostiger Schrot zerfetzte beide Beine, Entzündungen zwangen zur Amputation. Mehrmals musste er nachamputiert werden, denn der Wundbrand fraß sich immer weiter vor...
... 42 Kinder leben dort in den dunklen Hütten des Waisenhauses, von hohen Zäunen vor dem Zugriff der Kinderhändler geschützt, die Nachschub für den Handel mit menschlichen Organen oder für die Kinderschänder aus aller Herren Länder besorgen. Nur selten dürfen sie deshalb ihr Gefängnis verlassen. Sie täten es so gerne. Irgendwo Fußball spielen, irgendwo Herumstreunen, auf Erkundungstour gehen. Sie hocken am nackten Fußboden, essen zweimal täglich Reis mit Linsen und Fischpaste. Für mehr reicht es selten. Einmal im Monat gibt es Eier, ebenso Fleisch und Gemüse. Ein Bub hat aus dem Teich des Nachbars etwas Wasserkresse herausgefischt und sich zur Aufbesserung des kargen Mahls zubereitet...
... Alle trugen sie Trikots. Die leuchtend gelben der Mannschaft vom Bamboo Children House, dem klinikeigenen Waisenhaus im entfernten Flüchtlingslager Umphiang, hat Helfen ohne Grenzen spendiert. Das hat sie enorm angespornt und motiviert. Sie spielten mit vollem Einsatz und gewannen wider Erwarten das weihnachtliche Fußballturnier. Riesiger Jubel brach aus, als sie die Siegestrophäe in Form eines großen Weihnachtspaketes in den Händen hielten. Eine Ehrenrunde zusammen mit den Kollegen vom unterlegenen Team war das Mindeste, was sie dem begeisterten Publikum schuldig waren...
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